IT for Health 2/2017

 So gelingt die Digitalisierung der Arztpraxis 

Gute Gründe, die Digitalisierung in der Arztpraxis zu forcieren, gibt es genügend. Ebenso vielfältig sind die Gründe, weshalb es bisher nicht gelang. Mit einigen Massnahmen kann die Digitalisierung vorangetrieben werden. Attraktiv ist dies insbesondere für die Arztpraxen selbst.

Dass digital verfügbare Daten Vorteile bringen und integrierte Prozesse die Effizienz sowie Behandlungsqualität steigern, ist unbestritten. Die Politik hält dies im Patientendossiergesetz fest, die Infrastruktur wird bis 2020 bereitstehen müssen. Damit stehen alle Zeichen auf grün für die Digitalisierung der Arztpraxen. Voran geht es jedoch langsam.

Umfeld verhindert Wechsel zum Digitalen

Die Arztpraxen stehen in ihrem Arbeitsalltag unter enormem Druck. Ein Arzt betreut gut 35 Patienten am Tag, bei den meisten folgen administrative Arbeiten: Überweisung auslösen, Bericht erstellen, Laborauftrag erteilen, Rezepte versenden, Falldokumentation. Aus Zeitmangel wird vieles am Feierabend erledigt. Noch knapper wird die Ressource Zeit durch die stete Weiterbildung – eine Qualität, welche die Ärzte auszeichnet. Sich unter diesem zeitlichen Druck der Verbesserung der Praxisabläufe zu widmen und geeignete Digitalisierungsinstrumente zu evaluieren, ist für die meisten Praxen undenkbar. Die geeigneten Ansprechpartner für Informatik oder Betriebswirtschaften fehlen vielen.

Auch Grundmechanismen des Gesundheitswesens hindern die Praxen daran, hier investieren zu können. Sie unterliegen strengen Regulatorien, diese halten mit den digitalen Möglichkeiten nicht immer Schritt. Selbst wer mit E-Mail arbeitet, ist gezwungen, Dokumente zu drucken und zu scannen, um sein Visum anbringen zu können. Auch der Zeittarif Tarmed, nach dem die Ärzte ihre Leistungen abrechnen, setzt wenig Anreize für Investitionen in die Digitalisierung oder Prozesseffizienz.

Initiativen, die Digitalisierung der Arztpraxen voranzubringen und den elektronischen Austausch patientenbezogener Information zu ermöglichen, gibt es diverse, initiiert von Spitälern, Gemeinschaften, Softwareanbietern. Doch es gelang ihnen nicht, sich im Praxisalltag zu verankern, sie blieben einsame Insellösungen. Technisch einwandfrei konzipiert, entstanden sie mit zu wenig Einbezug der künftigen Nutzer und der bei ihnen vorhandenen Systeme (etwa die über 60 gebräuch- lichen Praxisinformationssysteme). Sie wollten zu viel auf einmal und berücksichtigten den auf den Praxen lastenden Druck und das einengende Umfeld nicht. Fehlende Standards zum Datenaustausch sind zusätzliche Hindernisse.

So wird langsam erkennbar, warum die in den Praxen eingesetzten Kommunikationsmittel heute oft dieselben sind wie vor 30 Jahren: Fax und Brief. Wo man hinsieht, kommt es zu Medienbrüchen, das Praxisteam verbringt seine Zeit mit administrativen Arbeiten. Dabei muss es nicht bleiben – alle Beteiligten wünschen sich eine Verbesserung.

Attraktiv, nützlich und günstig – für die Praxis

Damit die Digitalisierung gelingt, sind Lösungen notwendig, die den Praxen in kleinen Schritten den Weg in die Digitalisierung ebnen und bestehende Systeme der Praxissoftwares clever einbeziehen. Jeder einzelne Schritt muss der Praxis Nutzen generieren, damit die Attraktivität der Lösung die Investitionskosten weit überwiegt.

Als erster Schritt zur Digitalisierung müssen die Praxen einfach und sicher über ihre Patienteninformationen in elektronischer Form verfügen und sie ebenso einfach gerichtet teilen können. Eine entsprechende Lösung muss individuelle Abläufe unterstützen und es einfach machen, sie zu optimieren. Sie muss rasch lernbar und intuitiv zu bedienen sein, Medienbrüche verhindern – also ein digitales Visum ermöglichen – und Adressdaten des Gesundheitswesens zur Verfügung stellen. Kurz: Sie muss den digitalen Austausch so einfach machen, dass er attraktiver ist als Fax oder Brief – kostengünstiger ist er sowieso. Dies gelingt nur unter Einbezug der Arztpraxen und mit einer Lösung, die für sie attraktiv ist und mit ihrer Leistung überzeugt. Nur so ist die Grundvoraussetzung für die Digitalisierung und die Anbindung an das elektronische Patientendossier zu erreichen.

Dieser Artikel wurde publiziert in der IT for Health 2017 / 02

Digitalisierung soll den Arzt bei administrativen  Tätigkeiten entlasten. 

 Kommunikationsmittel wie 
 vor 30 Jahren in Praxen: 
 Alle Beteiligten wünschen 
 sich eine Verbesserung. 
 Damit die Digitalisierung 
 gelingt, sind Lösungen 
 notwending, die den Praxen 
 in kleinen Schritten den Weg 
 ebnen und bestehende 
 Systeme der Praxissoftwares 
 einbeziehen. 

Der Autor

Lorenz Fehr,

Leiter BlueConnect

BlueCare AG Winterthur

E-Mail

Tel. 052 235 19 35 

Fax 052 235 19 20

Standort

  • Facebook BlueCare
  • xing
  • LinkedIn - Black Circle
  • YouTube - Black Circle
  • Vimeo - Black Circle

© 2020 by BlueCare AG

Impressum

Datenschutzerklärung