Einschätzung

 Elektronisches Patientendossier: 

 Anwendung, Risiken und Nebenwirkungen  

 «Die niedergelassenen Leistungserbringer sind gut beraten, jetzt eine Lösung für den elektronischen Datenaustausch zu suchen und eine Plattform zu wählen, die bereits heute ihre spezifischen Bedürfnisse adressiert.» 

Marc Condrau, Leiter Consulting
Faktum 1
Das elektronische Patientendossier (EPD) ist als Sekundärsystem konzipiert, in welchem behandlungsrelevante Extrakte der Krankengeschichte aus den Primärsystemen der Leistungserbringer, wie Praxissoftware oder Klinikinformationssystem, institutionsübergreifend für Patienten und Behandler zugänglich gemacht werden.
 
Das EPD beinhaltet Dokumente mit strukturierten, also elektronisch auswertbaren, oder unstrukturierten Informationen. Es ist ein virtuelles Dossier: Dokumente werden zum Zeitpunkt der Abfrage aus den dezentralen Ablagen der Leistungserbringer geholt, nicht zentral gespeichert. Die Daten werden nicht direkt aus den Primärsystemen abgefragt, sondern aus getrennten Datenspeichern, welche von Gemeinschaften zur Verfügung gestellt werden. Das sind organisatorische Einheiten von Leistungs - erbringern und deren Einrichtungen. Um das EPD zu nutzen, müssen sich Leistungserbringer einer Gemeinschaft ihrer Wahl anschliessen. Eine Stammgemeinschaft ermöglicht zusätzlich den Patienten den EPD-Zugang und speichert von ihnen erfasste Daten. (Stamm-)Gemeinschaften müssen sich zertifizieren lassen.
 
Für den Patienten ist die Eröffnung eines Patientendossiers freiwillig und bedarf seiner schriftlichen Einwilligung. Die Datenhoheit liegt bei ihm. Er bestimmt, wer Stellvertreter ist und erteilt einzelnen oder Gruppen von Leistungserbringern (z.B. dem Fachbereich eines Spitals) Zugriff. Diese Rechte kann er jederzeit entziehen oder auch Daten löschen. Leistungserbringer können selektiv Daten aus dem EPD herunterladen und zwecks Behandlungsdokumentation ablegen sowie Hilfspersonen als Stellvertreter ermächtigen. In einer Notfallsituation ist der Zugriff auch ohne Berechtigung des Patienten gestattet, er wird über den Notfallzugriff informiert.
 
Für niedergelassene Leistungserbringer ist die Beteiligung am EPD freiwillig. Spitäler, Heime und Geburtshäuser sind gesetzlich verpflichtet, Patientendaten einzuliefern. Für Spitäler gilt dies ab April 2020.

 Eckpunkte 

Faktum 2

 Was das EPD kann – und was nicht 

Das EPD eignet sich für den Austausch von Daten zwischen Patient und Behandler. Letzterer kann dem Patienten Extrakte aus der Krankengeschichte zugänglich machen, z.B. einen Medikationsplan. Ersterer kann eigene Dokumente und Daten, z.B. eigene Messwerte, verfügbar machen. Nicht geeignet ist das EPD für den Austausch zwischen Leistungserbringern: Einerseits weil die Datenhoheit beim Patienten liegt, dieser die Zugriffsrechte explizit vergeben muss und Daten löschen kann; andererseits weil nur ein Teil der Patienten ein EPD hat. Zudem bietet das EPD keine Funktionalitäten zur Prozessunterstützung.
Faktum 3
Es gibt noch keine zertifizierte EPD-Infrastruktur, die Regulierungsdichte und technische Komplexität verlangsamen den Aufbau. Offen ist auch, welche digitale Identität den gesetzlichen Anforderungen genügen wird, für Leistungserbringer wird es voraussichtlich die HIN Identität sein. Bereits wurden verschiedene Gemeinschaften (technisches Synonym Affinity Domains) gegründet, die meisten sind regional ausgerichtet, wie mondossiermedical.ch in der Region Genf, axsana, in der die Kantone Zürich und Bern kooperieren, oder eHealth Südost der Kantone Graubünden und Glarus. Zwei Gemeinschaften sind schweizweit ausgerichtet: AD Swiss adressiert den ambulanten Sektor (aber nicht direkt die Patienten), die Stammgemeinschaft der Ofac die Apotheker und die Patienten. Alle genannten Gemeinschaften wollen nebst dem gesetzlichen EPD auch den gerichteten Datenaustausch zwischen Leistungserbringern anbieten, bei sehr unterschiedlichem Konkretisierungsgrad. Das Koordinationsorgan eHealth Suisse rechnet ambitiös mit den ersten operativen Gemeinschaften 2018.

 Stand der Umsetzung 

Faktum 4
BlueCare fokussiert mit der Plattform BlueConnect auf die gerichtete Kommunikation zwischen Leistungserbringern. BlueConnect ist komplementär zu den eHealth-Plattformen der Gemeinschaften: Es übernimmt den Anschluss des niedergelassenen Sektors an die Gemeinschaften, mit einer spezifisch auf die Bedürfnisse der Praxen ausgerichteten Lösung. Die regionalen eHealth Plattformen der Gemeinschaften werden der Bereitstellung des EPD sowie der Übermittlung der Daten der Praxen in das EPD und in die Spitäler dienen. Evaluiert wird bei BlueCare zurzeit zudem die mögliche Ausdehnung auf die Arzt-Patienten Kommunikation unter Einbezug des EPD.

 Haltung der BlueCare 

Wie kann sich Ihre Institution das EPD vorbereiten?

Sprechen Sie mit uns darüber. 

 Oder rufen Sie uns an: 
 052 235 19 35 

Dieser Beitrag stammt aus dem BluePrint #3 - Juni 2017

BlueCare AG Winterthur

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