Beitrag von Peter Amherd, AMHERD & PARTNER
Das «Elektronische Patientendossier» (EPD) ist Thema zahlreicher Diskussionen, Vorträge, Debatten. Peter Amherd, langjähriger IT-Branchenvertreter und Expräsident des Verbandes Schweizerischer Fachhäuser für Medizinal-Informatik, beleuchtet das Thema aus Sicht des Patienten.

 Perspektivenwechsel – 
 «Elektronisches Patientendossier» aus Sicht des Patienten 

Mehr als dreissig Jahre auf der Seite der Industrie zu sein, heisst nicht, dass man für alle Zeiten in dieser Rolle bleiben soll und bleiben wird. Seit einigen Jahren begleitet mich das Thema «Elektronisches Patientendossier» beruflich. Was habe ich darüber alles schon gelesen und was habe ich selber zu diesem Thema schon alles geschrieben. Recht selten lese ich in diesem Zusammenhang Artikel von Ärzten oder gar von Patienten. Industrievertreter schreiben über Themen wie «Qualitätsverbesserung auf allen Stufen». Sie schreiben über «Patientensicherheit», über «zu schaffende Anreize», über «Mängel im Gesetz» und über die vielen noch offenen «Fragen». All diese Hinweise sind jeweils wichtig und meist sicher auch wertvoll und richtig. Nur: Bringt es mich weiter? Mich in der Rolle als Patient? Klärt es mich auf und hilft es mir allenfalls, mich mit dem Thema vertraut machen zu können? Hilft es mir, meine Dinge im Zusammenhang mit meiner Gesundheit wenigstens administrativ bezüglich der Dokumentation in Ordnung zu halten?

Als Patient habe ich im letzten Monat einige Tage im Spital verbracht. Wie froh war ich während dieser Zeit, dass die Ärzte und die Pflegenden mit mir über meine Gesundheit und über den medizinischen Eingriff, nie über ihre Belastung und ihre Bedenken in Sachen «ePD» geredet haben. Sie hatten und haben dafür wohl, im Gegensatz zu vielen Vertretern des Umfeldes, keine Zeit. Wenn ich ihnen vorsichtig Fragen zum Thema «Dokumentation» und «ePD» gestellt habe, so waren sich fast alle einig: «Es wäre schön und hilfreich, wenn die Dinge einfacher werden würden und wenn wir zum richtigen Zeitpunkt verlässliche Informationen abrufen könnten.» Ein Klagen oder ein «Lästern» habe ich aber nie vernommen. Man wartet ab, was da kommen wird.

Die Ärzte und Pflegenden waren sich einig in Fragen zum Thema «Dokumentation» und «ePD»: «Es wäre schön und hilfreich, wenn die Dinge einfacher werden würden  und wenn wir zum richtigen Zeitpunkt verlässliche Informationen abrufen könnten.» 

Peter Amherd, Jahrgang 1957, ist langjähriger IT-Branchenvertreter und Expräsident sowie heute Ehrenpräsident des Verbandes Schweizerischer Fachhäuser für Medizinal-Informatik. Er ist im Markt tätig unter AMHERD & PARTNER.

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Direkt beim Austritt habe ich den schriftlichen Bericht – zusammen mit den Bildern, mit allen ermittelten Werten und mit dem Rezept – überreicht bekommen. Zusammen mit denjenigen Unterlagen, die ich ins Spital mitgebracht habe, ergab dies beim Austritt ein beachtliches Volumen an Informationen. Und jetzt? Mein Hausarzt bekommt auch einen Bericht, wohl noch mit etwas mehr Inhalt. Schon zwei Tage nach dem Austritt hat er sich für das Vereinbaren eines Kontrolltermins gemeldet. Das klappt ja wunderbar! Er hat den Inhalt des Berichtes schon «überflogen» und er wird ihn, vor meinem Besuch in der Praxis, erneut «überfliegen» müssen. Welche Informationen sind jetzt bei der Apotheke? Welche Informationen sind in welcher Form beim Spezialisten, der mich ans Spital überwiesen hat? Und welche Informationen habe ich überhaupt? Sind alle für die Zukunft relevanten Unterlagen vorhanden und habe ich eine logische Ordnung in den Dokumenten? Seit gut acht Jahren habe ich meine persönliche Krankenakte digital umgesetzt. Die Berichte zum Beispiel im Zusammenhang mit Eingriffen waren beim Hausarzt oder bei mir abgelegt. Perfekt! Die Verlaufseinträge in den Krankengeschichten waren bei keinem Arzt für mich wirklich nachvollziehbar. Sie waren (für mich) meist nicht lesbar und auch nicht aufschlussreich. Es handelte sich, so meine Wahrnehmung, um «interne Notizen der Ärzte». Auch beim jetzigen Ereignis habe ich nach dem Spitalaustritt alle Fakten digital nachgeführt. Ich kann die Akte aktualisiert mit allen Inhalten digital überall aus der Cloud abrufen, sie elektronisch von mir bestimmten Ärzten zugänglich machen oder ihnen ein PDF zustellen. Soweit also ist alles in Ordnung. Wie freue ich mich darauf, wenn die Ärzte mir künftig die Berichte, die Bilder, die Werte und alle Informationen, welche der nachbehandelnde Arzt irgendwann einmal benötigt, direkt in mein «Elektronisches Patientendossier» stellen können – ohne Mehraufwand gegenüber der jetzigen Papierform. Irgendwann werden die Inhalte sogar strukturiert und standardisiert direkt am richtigen Ort abgelegt werden, so, dass das Wissen vor allem schnell und übersichtlich zur Verfügung stehen wird. Bis zu diesem Zeitpunkt legen wir die Berichte und vieles darum herum als PDF ab – wenigstens das. Schon diese Form bringt viel, auch wenn ich von vielen Industrievertretern höre, dass dies doch nicht die Lösung sein könne. Man müsse die Sache doch gleich von Anfang an richtig machen. Nur: Was richtig ist, dazu habe ich bis heute noch keine einheitliche, geschlossene Meinung erhalten. Was nicht sein darf und was anders gemacht werden müsste, dazu habe ich schon viel gehört und gelesen. Wie genau und dass man es korrigiert und ganz einfach tut, dazu höre und lese ich nicht wirklich etwas Schlüssiges. Ich bin persönlich überzeugt, dass das «Elektronische Patientendossier» eine sehr gute Sache wird. Ich bin auch zuversichtlich, dass alle gemeinsam – die Ärzteschaft, die Industrie, die Patienten usw. – eine hilfreiche Sache schaffen werden.

 Wie freue ich mich darauf, wenn die Ärzte mir künftig die Berichte, die Bilder, die Werte und alle 
 Informationen für den nachbehandelnden Arzt direkt in mein «Elektronisches Patientendossier» 
 stellen können – ohne Mehraufwand gegenüber der jetzigen Papierform 

Übrigens: Im Spital habe ich mit einigen Patienten aus verschiedenen Altersklassen auch über dieses Thema reden können. Es reizt mich, von Betroffenen zu erfahren, was sie von dieser Sache halten. Im Spital hat man als Patient ja auch Zeit dafür. Die meisten meiner Gesprächspartner haben vom «EPD» nichts – gar nichts – gewusst. Wenn man ihnen aber erklärt, was es ist und welche Ziele damit verbunden erreicht werden sollen, so ist die Meinung stets positiv. Und wenn ich dann noch das eigene Beispiel aus meiner Cloud zeige, dass alle Informationen abrufbar sind, so resultiert daraus immer eine hundertprozentige Zustimmung zu diesem Thema.


Wer von den Industrievertretern hat seine eigene Krankengeschichte in Papierform oder digital vollständig abrufbar? Wenn Sie nicht dazu gehören, so empfehle ich Ihnen, sich einmal wirklich damit zu befassen und so zu erfahren, was es bedeutet, selber Ordnung zu haben und beim Arztgespräch «mündig» über die eigene Vergangenheit berichten zu können. Wir alle müssen aus eigenen Erfahrungen heraus erkennen, wie hilfreich und sinnvoll die Sache ist. Und wir müssen nicht nur darüber schreiben und reden. Wir alle müssen es zusammen umsetzen! Ich als Patient werden dazu meinen Beitrag gerne leisten!

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Dieser Beitrag stammt aus dem BluePrint #5 - Juli 2018

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