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Trägheit durchbrechen, Innovation fördern

Publiziert im FMC Impulse 5/2018

Unser Gesundheitswesen schöpft die digitalen Möglichkeiten deutlich geringer aus als andere Branchen. Diese systembedingte Trägheit liesse sich mit den geeigneten Ansätzen durchbrechen.

Das Potential, das die Digitalisierung für unser Gesundheitswesen birgt, ist enorm: Mit den geeigneten Tools sind auf lange Sicht eine bessere Versorgung der Patienten, bessere Gesundheit und tiefere Kosten möglich. Dieses Potential nicht auszuschöpfen wäre ein grosser Fehler, sind doch die Gesundheitskosten bereits heute der zweithöchste Budgetposten im durchschnittlichen Haushalt (KOF-Prognose der Gesundheitsausgaben Frühjahr 2018). Digitalisierung könnte an verschiedenen Stellen entlasten:

Vertikale Integration: Digitalisierung bietet die Möglichkeit, die Vernetzung der Behandlungspartner zu verbessern, sektorenübergreifend und effizient. Das vermindert Fehlerquellen und Doppelspurigkeiten, bringt mehr Geschwindigkeit, vereinfacht die Zusammenarbeit, ermöglicht dem Patienten eine bessere Behandlung.

Ein Beispiel dafür: Das Kollaborationstool BlueConnect, für welches sich bereits über 700 Ärzte entschieden haben, vereinfacht die Zusammenarbeit mit Behandlungspartnern vom Hausarzt bis zum Spital, Spezialisten, Spitex sowie innerhalb der eigenen Praxis. Ärzte und MPAs sparen Zeit, Behandlungspartner erhalten Informationen rascher, zuverlässiger und vollständiger und können Patienten zügiger aufbieten. Insgesamt sinken dadurch die Kosten pro Aufgabe, während die Qualität der Aufgabenerfüllung zunimmt.

Neue Erkenntnisse gewinnen: Als zweiten Aspekt erlaubt es die Digitalisierung, aus den im Gesundheitswesen vorhandenen Daten neue Erkenntnisse über bestehende Problemfelder zu gewinnen sowie Problemfelder überhaupt erst zu erkennen. Ein Beispiel ist die Auswertung von Details in den Arztrechnungen, der wir uns im Projekt Rechnungsdetails widmen. Damit werden Managed-Care-Ärzte aufgrund neuer Informationen über Ausreisser (z.B. bei Kosten und Behandlungsdauer) ihre Managed-Care-Patienten besser durch das Gesundheitswesen steuern können.

Medizinische Problemfelder angehen: Die Digitalisierung erlaubt es auch, Problemfelder anzugehen, die mit früheren Methoden nur unter immensem Aufwand bearbeitet werden konnten. Dies gilt auch für Felder, in denen die grössten Kostenzunahmen drohen oder am meisten Einsparungen möglich sind: die Betreuung und Behandlung von Patienten mit chronischen oder mehreren schweren Krankheiten (Multimorbiditäten) oder der Medikamenteneinsatz.

Eine geeignete Toolunterstützung für den Hausarzt kann etwa die Behandlung von Diabetikern deutlich optimieren. Davon profitiert ganz konkret auch der Patient durch eine höhere Lebensqualität. Ein weiterer Ansatz ist die elektronische Abbildung von Medikationsplänen, welche die Reduktion von Einnahmefehlern, Wechselwirkungen oder Übermedikationen ermöglichen.

Auch davon profitieren Gesellschaft und Patient: Geeignetere Medikamenteneinnahme bei weniger Verschwendung senken Kosten und steigern zugleich das Wohlbefinden der Betroffenen.

Initialaufwand und systembedingte Trägheit

Der Ansporn, bei der Digitalisierung weiterzukommen, ist also da. Doch im «Ökosystem Gesundheitswesen» stockt er. Dabei mangelt es nicht an Ideen: Das Gesundheitswesen ist voll von sinnvollen Pilotprojekten, die aber nie über den Pilotstatus hinauskommen. Die Gründe dafür sind vielfältig: falscher Ansatz, Geldmangel, fehlende Bereitschaft der angedachten Nutzer, Grabenkämpfe der Stände und Verbände.